PRESSEMITTEILUNG Zwischen Wiesenwegen und Mähwerken: So gelingt der Schutz der Rehkitze

Während die Mähsaison beginnt und die wärmeren Temperaturen Radfahrer und Spaziergänger nach draußen in die Landschaft ziehen, unterstützen Jägerinnen und Jäger mit Wärmebilddrohnen die Suche nach Jungtieren im Vorfeld der Mahd. Warum Achtsamkeit besonders jetzt entscheidend ist, wie Jäger, Drohnenteams und Landwirte zusammenarbeiten und mit welchen einfachen Maßnahmen jeder zum Schutz der Jungtiere beitragen kann.

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(Stuttgart, 29.04.2026) Mucksmäuschenstill verharren die kleinen Rehkitze im hohen Gras. Ihr hellbraunes Fell und die weißen Punkte wirken wie ein Spiel aus Licht und Schatten auf der Erde. Bewegungs- und geruchlos werden sie so nahezu unsichtbar für Feinde wie Fuchs und Greifvogel. Erst wenn sie etwas kräftiger sind, setzt der Fluchtinstinkt ein. Doch in ihren ersten Lebenswochen in Mai und Juni heißt ihre einzige Schutzstrategie: Tarnen, ducken, unsichtbar bleiben.

Brut und Setzzeit: Tarnung wird zur Falle

Diese Strategie kann jedoch zur Falle werden, wenn Mountainbiker und Wanderer die Wege verlassen oder Hunde frei durch Wiesen streunen. Vielen ist nicht bewusst, wie leicht sie so den wilden Nachwuchs, der in eben diesen Wiesen liegt, in Gefahr bringen: Eine kurze Offroad-Fahrt verspricht Abenteuer und auch der Hund soll schließlich rennen dürfen. Doch für die Jungtiere bedeuten solche Begegnungen Angst, Stress und im schlimmsten Fall schwere Verletzungen oder den Tod.

Gerade in den ersten Lebenswochen sind die Jungtiere auf ungestörte Rückzugsräume angewiesen. „Schon einfache Maßnahmen wie auf den Wegen zu bleiben oder Hunde anzuleinen können entscheidend dazu beitragen. Jeder Einzelne kann so ganz einfach zum Tierschützer werden“, sagt Simon Keck, zuständig für die Jungwildrettung beim Landesjagdverband Baden-Württemberg (LJV). 

Jäger retten Kitze: Rennen gegen die Zeit

Eine weitere Gefahr für die Jungtiere droht durch landwirtschaftliche Maschinen, denn die ersten besonders sensiblen Lebenswochen fallen mit dem Beginn der Mähsaison zusammen. Das im Frühjahr rasant wachsende Gras dient den Landwirten als Futter für ihr Vieh und wird genau dann zum ersten Mal gemäht, wenn viele Jungtiere darin liegen.

Trotz aller verpflichtenden Bemühungen der Landwirtschaft sterben Jahr für Jahr Rehkitze bei Kollisionen mit Mähwerken oder werden schwer verletzt. Um diese Unfälle zu vermeiden, engagieren sich Jägerinnen und Jäger mit großem Einsatz für den Schutz des Jungwildes. In enger Abstimmung mit den Landwirtinnen und Landwirten suchen sie mit Wärmebilddrohnen die Wiesen ab. „Mit der Wärmebildkamera der Drohne lassen sich in den frühen Morgenstunden durch die Temperaturunterschiede von Wildkörper und Wiese die Kitze sehr zuverlässig finden. Diese werden dann mit Handschuhen und Grasbüscheln aus der Wiese getragen und für eine möglichst kurze Zeit außerhalb in dafür vorgesehenen Behältnissen gesichert“, erklärt Simon Keck. 

Die Arbeit mit den Kitzen ist Teil der jagdlichen Ausübung und darf nicht von Unbefugten übernommen werden. Hier sind geschulte Fachleute am Werk, die mit größter Umsicht und Erfahrung handeln. Der ehrenamtliche Einsatz der Jägerschaft erfolgt häufig unter hohem Zeitdruck: Das Zeitfenster für die Ernte ist witterungsbedingt klein und den Drohnenteams bleiben nur wenige Stunden, um die Wiesen zuverlässig überfliegen zu können. 

Es geht nur gemeinsam: Jeder kann Tiere schützen

Rücksicht und Verständnis für Wildtiere und ihre Lebensräume sind gerade während der Brut- und Setzzeit entscheidend, um Tierleid zu vermeiden. Jäger, Landwirte und Drohnenteams arbeiten bei der Kitzrettung mit großem Engagement Hand in Hand. Ein achtsamer Umgang mit der Natur beginnt aber bei jedem Einzelnen. Darum appelliert der Landesjagdverband Baden-Württemberg: Bitte nehmen Sie Rücksicht, nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine und bleiben Sie auf den Wegen. Wer ein Jungtier entdeckt, sollte sich leise zurückziehen. Die Mutter ist meist nicht weit weg, kehrt jedoch nur zum Säugen zu ihrem Kitz, um keine Feinde anzulocken. Bei unklaren Situationen oder verletzten und hilflosen Tieren hilft der Jagdpächter weiter, im Zweifel auch die Polizei.  

Digital verfügbar: Broschüre zur Jungwildrettung

Pünktlich zur neuen Saison wurde die Kitzrettungsbroschüre des LJV mit allen relevanten Informationen für Drohnenteams zur Kitzrettung neu aufgelegt. Die Broschüre liefert spannende Einblicke und praktische Hintergründe zur Kitzrettung mit der Drohne. Interessierte finden hier einen kompakten Überblick über die notwendige Technik, den organisatorischen Ablauf, die rechtlichen Grundlagen sowie die Möglichkeit der Finanzierung und Kooperation. Sie steht ab sofort online zum Download bereit oder kann über die Wild-Life-Style GmbH in gedruckter Form bestellt werden.

Alle Informationen unter: www.landesjagdverband.de/projekte/kitzrettung